Was macht einen guten Gin aus? Qualitätsmerkmale im Check.
Die Basis: Warum Wacholder das A und O ist
Obwohl Gin meist mit vielen weiteren Botanicals, verfeinert wird, bleibt der Wacholder das Herzstück, das die Struktur des Getränks bildet. Auch wenn es Abwandlungen wie den New Western Dry Gin gibt, bei denen andere Zutaten im Vordergrund stehen, bleibt der Wacholder die Basis, auf der Gin aufbaut.
Die Wacholdernote ist das, was einen guten Gin von einem weniger guten unterscheidet! Wacholder liefert das typische, harzig-herbe und leicht zitrusartige Aroma, das den klassischen Gin-Geschmack ausmacht.
Und nicht zuletzt ist bei Gin, laut Definition, Wacholder die zwingend vorgeschriebene Hauptzutat die den charakteristischen Geschmack bestimmt. Ohne Wacholder darf sich eine Spirituose rechtlich nicht Gin nennen.
Hochwertige Botanicals und Herstellung
Hochwertige Botanicals und eine sorgfältige Herstellung sind bei Gin entscheidend, da sie den grundlegenden Charakter, die Komplexität und die Reinheit des Geschmacks bestimmen. Da Gin im Wesentlichen ein aromatisierter Neutralalkohol ist, hängt die Qualität des Endprodukts fast ausschließlich von der Güte der verwendeten Zutaten und der Kunst des Destillateurs ab, deren Aromen einzufangen.
Gin Wie wir Gin testen, die Top-Qualitätsmerkmale
Destillierter Gin (Distilled Gin) und insbesondere London Dry Gin stehen für hohe Qualität. Nach der Destillation dürfen diesen Gins keine Aromen oder Zucker hinzugefügt werden. Die Verwendung hochwertiger, natürlicher Zutaten statt künstlicher Aromen ist ein Qualitätsmerkmal. Der Alkoholgehalt bei Gin muss mindestens 37,5 % Vol. betragen, hochwertige Gins liegen bei 44 % bis über 50 % Vol.
Am wichtigsten ist natürlich der gute Geschmack. Allerdings sind Geschmäcker individuell, sehr unterschiedlich und lassen sich nur schwer klassifizieren. Wir bewerten deshalb nach den folgenden Kriterien:
- Komplexität
- Körper
- Abgang
- Typizität
- Eigenständigkeit
- Preis-Leistungs-Verhältnis
Ein Mindestkriterium ist ein sauberer Brand ohne Fehlaromen. Ein Premium Gin riecht klar und nicht stechend oder muffig. Fehlaromen, oft verursacht durch unsaubere Destillation, minderwertige Zutaten, handwerkliches Ungeschick oder schlecht gereinigte Brennanlagen, führen zu einer Abwertung.
Aroma
Ein angenehmes und intensives Aroma ist bei Gin ein Qualitätsmerkmal ohne das er seinen Namen nicht verdient. Gin ist per Definition eine durch Wacholder und andere Botanicals aromatisierte Spirituose, dadurch unterscheidet er sich ja gerade von Wodka, Korn und Co.
Zudem ist Gin klassischerweise ein Mix-Getränk. Das Aroma muss die Verdünnung mit einem Filler (z.B. Tonic) "überleben".
Finesse
Finesse bei Gin bezeichnet eine hohe Qualität, die sich durch Feinheit, Eleganz, Vielschichtigkeit und Ausgewogenheit auszeichnet. Es handelt sich um ein sensorisches Merkmal, das ein Destillat von groben oder eindimensionalen Produkten abhebt.
Balance
Balance bei Gin bezeichnet das harmonische Gleichgewicht zwischen den verschiedenen geschmacklichen Komponenten. Sie entsteht, wenn die eingesetzten Botanicals sich nicht überlagern, sondern sie sich gegenseitig ergänzen.
Komplexität
Die Komplexität bei Gin bezeichnet die Vielschichtigkeit, Tiefe und Harmonie einer Vielzahl von Aromen und Geschmacksnuancen. Ein komplexer Gin bietet nicht nur einen einzelnen, dominanten Eindruck, sondern eine harmonische Komposition verschiedener Geschmacksnoten.
Das bedeutet nicht, dass für einen komplexen Gin besonders viele verschiedene Botanicals erforderlich sind. Einige Herstellen erschaffen mit wenigen Zutaten erstaunlich komplexen Gin.
Körper
Der Begriff Körper (oft auch "Vollmundigkeit" oder "Struktur" genannt) bei Spirituosen beschreibt den sensorischen Gesamteindruck von Gewicht, Dichte und Textur, den der Gin im Mund und am Gaumen hinterlässt. Es ist das "Mundgefühl", das angibt, wie kraftvoll oder leicht ein Gin wahrgenommen wird.
Mit einem vollen Körper wirkt der Gin ölig und dicht auf der Zunge. Dies deutet oft auf einen höheren Alkoholgehalt und ausreichend ätherische Öle aus hochwertigen Botanicals sowie nichtflüchtige Aromastoffe hin.
Abgang
Der Abgang bei Gin bezeichnet den Geschmackseindruck und die Aromen, die im Mund- und Rachenraum zurückbleiben, nachdem der Gin geschluckt wurde. Er ist der letzte Teil des Geschmackserlebnisses und gilt als wichtiges Qualitätsmerkmal.
Ein langer Abgang kann als Zeichen hoher Qualität gewertet werden, da der Geschmack über mehrere Sekunden oder sogar Minuten anhält. Ein kurzer Abgang, bei dem der Geschmack schnell verfliegt, deutet oft auf ein einfacheres Produkt hin.
Typizität
Typizität bei Gin bezeichnet den Grad, in dem ein Gin den klassischen, erwarteten Charakter seiner Kategorie erfüllt. Im Kern bedeutet dies, dass ein typischer Gin ein deutliches Wacholderaroma aufweisen muss, da dies die gesetzliche Definition und das Hauptmerkmal ist.
Die Wacholdernote bildet das Fundament, das spürbar, aber nicht zwingend aufdringlich sein muss. Neben Wacholder tragen andere Botanicals (Zitrus, Kräuter, Gewürze) zur Typizität bei, indem sie das Aroma abrunden.
Ein Gin hat eine hohe Typizität, wenn er trotz individueller Nuancen der verwendeten Botanicals sofort als klassischer Gin erkennbar ist.
Eigenständigkeit
Finesse bei Gin bezeichnet eine hohe Qualität, die sich durch Feinheit, Eleganz, Vielschichtigkeit und Ausgewogenheit auszeichnet. Es handelt sich um ein sensorisches Merkmal, das ein Destillat von groben oder eindimensionalen Produkten abhebt.
Preis-Leistungs-Verhältnis
Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bei Gin bedeutet, dass er trotz eines moderaten Preises hochwertige Aromen, eine ordentliche handwerkliche Qualität und einen passenden Alkoholgehalt bietet.
Ein guter Indikator ist ein Alkoholgehalt von ca. 42 % bis 47 % vol. Er liegt meist über dem gesetzlichen Minimum von 37,5 %, da mehr Alkohol als Geschmacksträger für ein intensiveres Aroma sorgt. Es handelt sich dabei um Gins, die sowohl pur genießbar sind als auch in Cocktails nicht untergehen.
Bei unseren Bewertungen haben wir Jahresdurchschnittspreise von Standardflaschen (meist 0,5 L bis 0,7 L, umgerechnet auf Preis pro Liter) herangezogen. Sonderangebote wurden nicht berücksichtigt, so dass das PLV nur als grober Indikator verstanden werden sollte.
Fazit: Welcher Gin ist der richtige für mich?
Ausprobieren und eigene Erfahrungen sammeln ist der beste Weg seine Gin-Lieblinge zu finden. Allerdings ist die Gin-Landschaft sehr vielfältig und unübersichtlich, deshalb sollen unsere Bewertungen bei der Kaufentscheidung unterstützen und mögliche Enttäuschungen verhindern.
Die Gin-Herstellung bestimmt die Reinheit und das Mundgefühl
Wissen und Handwerkskunst führen zu den besten Premiums Gins, das Abhandensein von Expertise zu enttäuschenden Ergebnissen, bestenfalls zu Durchschnittsprodukten. Guter Gin wird in mehreren aufwendigen Schritten hergestellt.
- Aromenextraktion: Durch Methoden wie Mazeration und Dampfinfusion werden ätherische Öle aus den Botanicals gelöst.
- Sorgfältige Herstellung: Langsame Destillation und präzise Temperaturkontrolle sorgen dafür, dass nur feine Aromen extrahiert werden, während unerwünschte Bitterstoffe zurückbleiben.
- Edelstahl-Stills: Die Verwendung von Kupferbrennblasen ist kein Qualitätsmerkmal, da dem Kupfer bei der Gin-Destillation keine Aufgaben zufällt (vgl. unerwünschte Schwefelverbindungen bei Obstbrand), eine schlecht gepflegte Kupferbrennblase allerdings schnell zu unerwünschten Fehlaromen führt.
- Mehrfach Destillation: Minderwertige Gins entstehen durch einfache Aromatisierung von Alkohol. Hochwertige "Distilled Gins" hingegen werden mehrfach destilliert, was zu einem feineren, runderen Geschmack führt.